TEXTSAMMLUNG
Das fragment des monats
ausgabe (050)/50//2025/ fdm/25.050/ februar/2025

Der pazifismus als ideologie und das problem der gegengewalt.

    Es gibt eine böse redeweise: der friedlichste kann nicht im frieden leben, wenn's dem bösen nachbarn nicht gefällt. Das ist wissen, das die ubiquitäre gewalt in der welt verschüttet hat. Es ist daher zweckmässig, die begriffe zu sortieren, die in den streitigkeiten um frieden und krieg gegeneinander geltend gemacht werden. 

    Einerseits ist es der wille zum frieden, der auch dem anwender von gewalt zugeordnet sein muss, dann, wenn der zweck, der frieden zwischen den menschen, eine chance haben soll(a). Es ist üblich, diesen willen zum frieden in den ideologien zu fassen, die mit dem terminus: pazifismus,(b) zusammengefasst werden. Das lemma dieser ideologien(c) ist der spruch: frieden schaffen ohne waffen. Als zielmarke der sehnsucht nach frieden ist der kampfruf sinnvoll, als maxime des politischen handelns verfehlt die parole ihr ziel, wenn das momentum: gewalt,(d) im diskurs ausgeklammert ist.

    Anderseits können im politischen prozess die phänomene der gewalt nicht ignoriert werden. Wer den frieden real will, der muss den genossen in sein kalkül einbeziehen, der andere interessen verfolgt, nämlich seine interessen, die der machthabende aus der faktischen machtposition gegen widerstand durchsetzen will und diese interessen, wenn ihm das erforderlich dünkt, auch realisiert – mit gewalt(e). In der sozialen beziehung zwischen dem individuum als ich: A, und seinem genossen: B, ist der wechselseitige bezug auf den je anderen sowohl eine beziehung des rechts als auch eine beziehung der macht(f). Das recht gebietet den frieden, die macht nutzt die gewalt, die realität falsch einschätzend, als mittel zur durchsetzung seiner interessen, de facto gleich_gültig, ob illegal oder legitim.

    In diesem spannungsfeld verortet ist die frage, wie ein friede zwischen dem individuum als ich und seinem genossen organisiert sein muss, wenn sowohl der genosse als auch das individuum als ich sich als das verwirklichen wollen, was sie sind, jeder für sich, das ich.

    In der bekannten historia wird das problem des friedens entweder auf eine rechtsfrage reduziert(g) oder das problem des friedens in der gesellschaft wird im gesellschaftlichen diskurs als ein moralisches problem gehändelt(h). Im gesellschaftlichen diskurs ist die maxime der moral eine nicht greifbare utopie und die streitig gefallene rechtsfrage ist immer wieder nur der anlass, gewalt erneut anzuwenden.

    In den diskussionen um den frieden muss einerseits mit der ubiquitären gewalt kalkuliert werden, und andererseits ist dem prinzip der anerkennung des anderen als der_andere,(i) die funktion des maasstabs für jedes politische handeln zugeordnet. Gewalt, immer real seiend, ist nur mit gegengewalt eingrenzbar. Wer gewalt gegen den genossen anwendet, sich selbst als das ich entmächtigend, kann nur mit gegengewalt in die schranken gewiesen werden (schöne worte, immer wohlfeil, bewirken das nicht und die erfahrung zeigt, dass sie den gewalttätigen nur ermutigen, weiter gewalt zu üben und noch mehr). Wer den genossen als den anderen anerkennt, eine leistung, die nur ad personam erbracht werden kann, der sieht im genossen sein ebenbild(=spiegelbild), der genau das ist, was er selbst ist, nämlich das ich, das autonom entscheidet, was für ihn selbst gelten soll, sich an das entschiedene absolut bindend. Die logik der autonomen entscheidung und die absolute selbstbindung des individuums als ich, der genosse eingeschlossen, schliessen die gewalt als handlungsoption aus. Wer frieden will, das heisst, wer frieden hält, der benötigt keine waffen – die realität ist eine andere, aber die krude realität ist kein beweis, das der gedanke falsch ist.
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(a)
das böse an sich ist ontisch irreal, aber als imagination des individuums als ich ist das böse für sich real, weil das böse als relationsbegriff das gute zum gegenpol haben muss, wenn die handlung als gut oder als böse erkannt werden soll. Zum problem der relationsbegriffe andernorts en detail(01)
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(01) INDEX/register //==>stichwort: relationsbegriff.    (a)<==//   
(b)
pars pro toto das Deutsche Wörterbuch(Wahrig,1980,p.976) notiert als erklärung: "Bestreben unter allem Umständen den Frieden zu erhalten, Ablehung des Krieges und Kriegsdienstes".    (b)<==//   
(c)
im rationalen diskurs wird mit dem begriff: ideologie, zwar argumentiert(01), aber der begriff: ideologie, ist als phänomen ein bunter strauss von möglichen argumenten. Den pazifismus, begriffen als eine einheitsvorstellung, gibt es nicht, aber es kann eine vielzahl von "pazifismen" aufgelistet werden, eine liste, in der der name: Mahatma Ghandi, neben dem namen: Wladimir Putin, nur ein item in der buchstabenfolge ist.
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(01)
zum begriff: ideologie, im relationalen argument andernorts en detail(*1)-
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(*1) //==> INDEX/register; stichwort: ideologie.   (c)<==//   
(d)
zum begriff: gewalt, im relationalen argument andernorts en detail(01)
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(01) //==> INDEX/register; stichwort: gewalt,(und differenzierungen).     (d)<==//   
(e)
die differenz: macht und gewalt, ist zu beachten(01),
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(01) INDEX/register //==>stichworte: macht und gewalt.   (e)<==//   

(f)
es ist strikt zwischen herrschaft und macht zu unterscheiden(01). Herrschaft ist eine form des rechts und auf dauer gestellt, macht ist ein phänomen der realität und wird als volativ erfahren, fixiert im wechselspiel von macht und gegenmacht. Wer sich mächtig fühlt, der ist mächtig im wissen der eignen schwäche; denn macht und gegenmacht sind ein nullsummenspiel, in dem nur die grenzlinien hin und her geschoben werden.
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(01)
Richter,Ulrich: Der begriff: das_politische, im trialektischen modus./D-fssg. 014:das_politische.
//==> INDEX/register: stichworte: herrschaft und macht.    (f)<==//   
(g)
Ich verweise auf die historia der friedensschlüsse. Im rückblick erweist sich jeder friedensschluss als causa zu einem neuen krieg.    (g)<==//   
(h)
die appelle, im politischen diskurs die gewalt zu bannen, werden unter dem terminus: pazifismus, gehändelt. Der appellierende kann sich subjektiv "gut" fühlen, aber objektiv wirksam sind in der realität die phänomene der gewalt. Der "kriegsschrei": nieder mit dem waffen, ist nur das hilflose echo auf die reale gewalt im krieg. Wer frieden will, der muss den gewaltübenden friedensstörer mit gegengewalt in die schranken weisen. Das begreifen die friedensschwätzer von heute nicht, die nolens/volens das geschäft der kriegsherren betreiben(01).
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(01) das hat Sahra Wagenknecht mit ihren gebetsmühlenhaften appellen, frieden ohne waffen zu schaffen, nicht begriffen. So wie die dinge heute stehen, sind friedensgespräche mit dem faschisten: zar:_p00(alias_Putin), nicht möglich, weil dieser das gespräch über den frieden als waffe gebraucht.    (h)<==//   
(i)
das prinzip: anerkennung des anderen als der_andere, habe Ich andernorts en detail erläutert(01).
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(01) //==> INDEX/register: stichwort: prinzip:_adaad_a, (und verweise).    (i)<==//   
finis


stand: 25.03.01.
eingestellt: 25.02.01.
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