TEXTSAMMLUNG
Das fragment des monats
ausgabe (055)/55//2025/ fdm/25.055/ juli/2025

Das links/rechts-schema und das problem der mitte.

    Es ist en vogue, von der demokratischen mitte zu reden, wohlfeil in den sonntagsreden der damen/herren: politiker,(a) und, wo es eine mitte gibt, da gibt es auch die ränder - links und rechts. Das bild, gemalt als landkarte der politischen geographie, mag plausibel sein, bequem händelbar im politischen diskurs, aber das bild fixiert die realität verzerrt, es ist also falsch.

    D'accord, es ist notwendig, die diversen ideologien(b) im politischen diskurs zu klassifizieren und eine rangordnung(=ortszuweisung) zu formulieren, die eine orientierung im spektrum der möglichen ideologien zu schaffen verspricht, aber diese ordnung ist nur ein werkzeug, mit dem die unterscheidbaren ideologien geklärt werden, im politischen prozess gebraucht von allen, die es betrifft, um ad personam die interessen zu benennen, die mit diesen ideologien gerechtfertigt werden. Insofern unterscheiden sich der "rechte" nicht vom "linken", die "mittigen" demokraten eingeschlossen; sie sind als teile eines ganzen ein ganzes.   
   
    Wenn die politischen meinungen in der gesellschaft klassifiziert werden sollen, um das gewicht der meinungen praktikabler händeln zu können, dann ist es eine seit generationen geübte praxis, das rechts/links-schema, präziser formuliert, das schema: links-mitte-rechts,(c) anzuwenden. Es kann klarheit über die positionen in den politischen meinungen schaffen, aber es ist ein methodischer fehler, aus der klassifikation: "rechts, links und mitte", folgerungen auf die bestimmte politische meinung oder ideologie abzuleiten. Zwar ist die konvention zutreffend, dass die bestimmte meinung(=sozialismus) als links klassifiziert wird und die meinung(=nationalismus und/oder konservativismus) als rechts, aber diese ortszuweisungen sind so allgemein formuliert, dass sie im bestimmten fall als falsch erkannt werden müssen, weil die kriterien für diese ortszuweisungen nicht mit den kriterien zusammenpassen, die für die begriffe: "links oder rechts oder mitte", gültig sind.

    Es sollte beachtet werden, dass die termini: rechts und links, einerseits die relationsbegriffe: links und rechts, bezeichnen, andererseits bezeichnet der terminus: mitte, einen punkt im raum. Diesen termini ist kein argument zu entnehmen, das eine politische bewertung der ortszuweisungen: rechts, links und/oder mitte, zuliesse, weil mit den als einschlägig bezeichneten begriffen keine der traditionalen bewertungen der meinungen, die den politischen prozess prägen, rational begründet werden kann(d). Weder den ökonomisch/politischen thesen eines Karl Marx' kann mit einem rationalen argument die klassifizierung: links, zugeordnet werden, soweit sie kritik der tradition ist, vornehmlich der philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegel's und der ökonomie Adam Smith', noch ist es ausweislich der dokumente der historia zulässig, die thesen Benito Mussolini's oder Adolf Hitler's, als rechts zu klassifizieren, personen, die sich das passend zusammengeschrieben haben, was in ihrer zeit an reaktionären ideen am markt verfügbar gewesen war. Auch ist es rational nicht begründbar, dass die damen/herren: politiker, von heute sich selbst als "die mitte" verorten, weil sie in ihren reden sich auf die demokratie berufen. Die ideologien der mitte(=demokratie, liberalismus und rechtsstaat), die ideologien von rechts(=konservatisvismus, nationalismus und faschismus) und die ideologien von links(=sozialismus in allen historischen varianten), weisen kriterien aus, die nur dann rational referierbar sind, wenn ein individuum als ich, sein genosse eingeschlossen, diese ideologien im horizont der je anderen ideologien bestimmen(e), die selbst vertretene ideologie und/oder die bekämpfte ideologie relativierend(f). Das individuum als ich denkt weder links noch rechts, und/oder mittig, es denkt autonom, sich entscheidend für die eine oder die andere idee einer gesellschaft(g), vorstellungen, die als bilder entweder facta der vergangenheit sind oder projektionen in die zukunft, bilder einer welt, die gemäss der konventionen einerseits als progressiv eingeschätzt werden und andererseits als reaktionär, immer changierend zwischen dem erhalt der gewohnten welt(=konservativ/reaktionär) oder der veränderung der als böse erfahrenen welt(=erneuernd/progressiv).
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(a)
das aktuelle gerede von der "demokratischen mitte" ist rational nachvollziehbar nur im horizont der partei: Alterative für Deutschland(=AfD), die bei den letzten wahlen in einigen wahlkreisen der Bundesrepublik Deutschland die marke: 50%, erreicht hat. Der verdacht ist nicht falsch, dass sich die "etablierten" von den "newcomer" existenziell bedroht fühlen und das mit guten gründen; denn seit jahren haben die damen/herren: politiker, ihre hausaufgaben nicht gemacht(01).
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(01)
in der rubrik: meinung des bürgers, habe Ich das problem der "mandatsvergessenheit" der damen/herren: politiker, immer wieder thematisiert:
  • Die damen/herren politiker - ihr handwerk und die moral. Aspekte der politischen kultur in der Berliner Republik. (juli/2006, sign.: (08) 07/06 )
  • Die politische klasse - korrumpiert und unfähig. (januar/2010, sign.: (15) 01-03 )
  • Die damen/herren: politiker, agieren als lobbyisten, das beschworene gemeinwohl ignorierend. (november/2011, sign.: (17) 11-12 ) 
  • Die damen/herren: politiker, smarte typen - mandatsvergessen. (november/2014, sign.: (22) 11/14 )
  • Die damen/herren: politiker, unfähig, das für notwendig erkannte auch zu tun. (dezember/2021, sign.: (29) 12/20 )          (a)<==// 
(b)
den begriff: ideologie, habe Ich andernorts en detail erörtert(01).
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(01)   INDEX/register //==>stichwort: ideologie.       (b)<==// 
(c)
das schema: links-mitte-rechts, geht auf die französischen nationalversammlung 1832 zurück. Die sitzordnung der gruppen, das spektrum von den royalisten bis zu den liberalen ausfüllend, legte fest, dass die royalisten auf der rechten seite im parlament sassen und die liberalen links, aber das, was in der realität eindeutig zu sein scheint, das ist in der perspektive aller beteiligten different. Im blick der parlamentarier sassen die konservativen auf der rechten seite des raumes und die liberalen auf der linken, vom redepult aber, der blick des redners in den raum, waren es die liberalen, die rechts sassen, und links sassen die konservativen. Eine irritierende beobachtung, weil links als rechts erscheint und rechts als links. Prima vista ist diese feststellung ein widerspruch, secunda vista aber kann dieses argument nur einen gegensatz formulieren, der die richtige perspektive auf das schema: rechts/links, ungeklärt lässt(01).
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(01)
die zweideutigkeit im argument ist in der logik der relationsbegriffe gegründet. Das, was links ist, das kann nur bestimmt sein in dem, was als rechts bestimmt ist - vice versa. In jedem erklärungsversuch ist ein drittes moment notwendig, in dessen horizont geklärt ist, was rechts ist oder links. Das ist die perspektive mit der das individuums als ich festlegt, was rechts ist und folglich, was links sein muss - tertium non datur(*1).
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(*1)   INDEX/register //==>stichwort: relationsbegriff.         (c)<==// 
(d)
eine mögliche einteilung der ideologien im 19./20.jahrhundert ist die trias: "konservativismus(=nationalismus), liberalismus und sozialismus",(01) analog dem schema: "links, mitte und rechts". Prima vista eine bewährte methode, die secunda vista aber dann brüchig wird, wenn die details analysiert und synthetisierend reflektiert werden 
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(01)
so ein argument, das der amerikanische philosoph: Sandel, im einvernehmlichen gespräch mit dem französischen ökonom: Piketty, geltend gemacht hatte(*1).
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(*1)
Sandel,Michael_J. und Thomas Piketty: Die Kämpfe der Zukunft. Gleichheit und Gerechtigkeit im 21.Jahrhundert. München: 2025, p.145/146.       (d)<==// 
(e)
der gedanke in einer graphik wiederholt. Das bild fasst vier situationen(=graphiken) zusammen, das individuum als ich im fokus(01).
Die momente:
links, ideologie_I, sozialismus,
rechts, ideologie_II, konservatismus/nationalismus,
mitte, ideologie:_III, liberalismus
das individuum als ich und/oder der genosse.
Bild: 001
   
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(01)
das schema der weltformel, hier der ideologien, ist en detail andernorts erläutert(*1).
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(*1)   INDEX/register //==>stichwort: weltformel.        (e)<==// 
(f)
die erfahrung ist allgemein, dass der kritiker einer anderen ideologie die wesentliche momente dieser ideologie in sein kalkül einbeziehen muss, freilich immer in der eigenen perspektive und so die ortszuweisung: "links, rechts und mitte", relativierend.       (f)<==// 
(g)
es sollte beachtet werden, dass eine gerecht organisierte gesellschaft der gegenstand dieser vorstellungen ist, die das individuum als ich in seinem forum internum imaginiert, das problem allein ist, dass das, was gerecht oder das gerechte sein soll im moment der gelebten gegenwart, in der perspektive der vergangenheit etwas anderes ist als das, was in der perspektive der zukunft als ferne utopie vorgegaukelt wird, immer offen lassend, was rechts, oder was links oder was die mitte sein soll. Alle, die es betrifft, müssen sich darauf verständigen, was sie dem je anderen als die gerechte gesellschaft zumuten wollen und auch zumuten müssen.       (g)<==//  
finis

stand: 25.08.01.

eingestellt: 25.07.01.
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