Ein buchtitel war mir aufgefallen: Warum ich an Gott glaube?,
(a).
Der satz wirkt stark, prima vista, secunda vista aber ist dieser
gedanke nur ein reflex auf eine wirklichkeit, die als das ganze nicht
gefasst werden kann
(b). Der glaubende handelt zirkular, weil er als wissender den zirkel nicht verlassen kann, den er in seinem glauben geschaffen hat
(c).
In den glaubensreflexionen, formen des wissens, kommt der gläubige
immer wieder auf sich selbst zurück, weil sein geglaubter gott, das
vermittelnde objekt seiner reflexionen, als objekt nicht das schöpfende
subjekt sein kann.
Der horizont dieses problems, ein problem des
wissens seiend, ist die prämisse, dass das bild des geglaubten gottes
eine vorstellung ist
(d), eine
vorstellung, die der glaubende in seinem forum internum imaginiert und
als sein bild von gott auf dem forum publicum entäussert, real in raum
und zeit als schöpfer der welt. Mit diesem argument hat der glaubende
als wissender sich in einem zirkel eingeschlossen, dem der wissende
sich als glaubender nicht entziehen kann. In diesem sinn ist der
geglaubte gott eine projektion des individuums als ich.
Das problem dieser these ist die wahrheit des geglaubten gottes, die eine tautologie ist, in sich geschlossen
(e).
Mit der struktur der tautologie des gottesnamens ist ausgeschlossen,
dass der glaubende mit seinem gott in einer sozialen beziehung stehen
könnte. Dieses argument ist falsch, weil in der relation:
glaubende<==|==>gott, der gott immer das_andere ist, das die
wechselseitige relation: gott<==>glaubende, ausschliesst
(f).
In raum und zeit, eine gesetzte kausalität vorausgesetzt, ist die
behauptung des gläubigen nicht entscheidbar, dass der geglaubte gott
als schöpfer der welt der grund seiner welt ist, weil die festlegung
des gründenden grundes, absolut gültig, nicht möglich ist. Wer und/oder
was der grund ist und was die folge aus dem gesetzten grund sein muss,
das ist als autonome entscheidung des individuums als ich in ihm selbst
verortet. In der gesetzten relation des individuums als ich ist der als
das zweite moment gesetzte gott nicht der grund der setzung, sondern
die wirkung. Für das individuum als ich, das subjekt, glaubend das
geschöpf seines gottes zu sein, ist der geglaubte gott als schöpfer
seiner existenz das objekt, das das subjekt nicht sein kann.
So wie die dinge in der welt stehen, ist für das
individuum als ich die gewissheit, was die wahrheit ist und/oder sein
soll, auf die welt begrenzt, deren grenzen markiert sind durch seine
geburt und dem tod als individuum. Real ist sein wissen von der welt im
glauben, der die vorstellung seines gottes als objekt präsent hält, das
objekt, das der glaubende als gründenden grund für seine vorstellungen
von der welt instrumentalisiert. In dieser funktion ist seine
gottesvorstellung der gründende grund, der die ordnung seiner welt
gewährleistet. Diese funktion der gottesvorstellungen jeder provinienz
sollte nicht geringgeschätzt werden, weil sie in jeder religion,
folglich auch in jedem ritus, das fundament der ordnung ist, die der
glaubende mit den genossen lebt. Wer also bekennt, dass er an seinen
gott glaube, der sagt auch, dass er mit dem genossen in einer ordnung
leben will, in der alle, die es betrifft, vereint in ihren
gottesvorstellungen, in frieden leben können, an ihren je eigenen gott
glaubend
(g).
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(a)
im vorbeigehen(=scrollen) war mir der
buchtitel aufgefallen(01), wieder einmal. Ich erinnere mich, im umfeld
der erbauungs-/erweckungsliteratur die frage als formel schon öfters
gelesen zu haben, eine alte formel, die als allgemeiner satz keinen
anspruch auf originalität hat.
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(01) quelle: verlagsprospekt des Herder-Verlags, 23.01.2025.
(a)<==//
(b)
das problem der metaphysik: das ganze
und die teile, wird andernorts en detail erläutert(01). Ich fokussiere
das problem auf die tradition der monotheistischen gottesvorstellungen:
der EINE gott; gleiches gilt für die polytheistischen
gottesvorstellungen.
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(01)
(c)
(d)
(e)
das problem der tautologie ist präsent
in der erzählung vom brennenden dornbusch(Ex.3). Gott gibt Mose seinen
namen bekannt: ich bin, der ich bin,(Ex.3.14).
(e)<==//
(f)
es kann im diskurs die meinung
geäussert werden, dass die beziehung des glaubenden zu seinem gott mit
der relation: glaubende<==>gott,(01) ausgedrückt werden soll(02).
Diese aussage ist in raum und zeit nicht möglich, sie ist also falsch.
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(01)
zum lesen der relationszeichen: lies
wechselseitige relation: <==> , lies: relationiert wechselseitig,
abhängige relation: <==|==> , lies: relationiert abhängig.
(02)
das ist in allen mystischen gottesvorstellungen der fall.
(f)<==//
(g)
Richter,Ulrich: Essentials des friedens.
adm (46)08/25.
Zusatz.
Der blick auf die realität zeigt ein anderes bild. Es sind gerade die
wirkmächtigen gottesvorstellungen, heute der islamistische Allah, in
der vergangenheit der gott der christlichen missionare, die ordnungen
begründet haben oder begründen sollen, in denen das individuum als ich
nur ein spielstein der mächtigen ist, die, vermeintlich mächtig, die
religionen gekapert haben, um ihren machttrieb zu
befriedigen.
(g)<==//