TEXTSAMMLUNG
Das fragment des monats
ausgabe (057)/57//2025/ fdm/25.057/ september/2025


Der glaube an gott ist ein zirkel.
Die vorstellung des EINEN gottes als wissen und glaube.

    Ein buchtitel war mir aufgefallen: Warum ich an Gott glaube?,(a). Der satz wirkt stark, prima vista, secunda vista aber ist dieser gedanke nur ein reflex auf eine wirklichkeit, die als das ganze nicht gefasst werden kann(b). Der glaubende handelt zirkular, weil er als wissender den zirkel nicht verlassen kann, den er in seinem glauben geschaffen hat(c). In den glaubensreflexionen, formen des wissens, kommt der gläubige immer wieder auf sich selbst zurück, weil sein geglaubter gott, das vermittelnde objekt seiner reflexionen, als objekt nicht das schöpfende subjekt sein kann.

    Der horizont dieses problems, ein problem des wissens seiend, ist die prämisse, dass das bild des geglaubten gottes eine vorstellung ist(d), eine vorstellung, die der glaubende in seinem forum internum imaginiert und als sein bild von gott auf dem forum publicum entäussert, real in raum und zeit als schöpfer der welt. Mit diesem argument hat der glaubende als wissender sich in einem zirkel eingeschlossen, dem der wissende sich als glaubender nicht entziehen kann. In diesem sinn ist der geglaubte gott eine projektion des individuums als ich.

    Das problem dieser these ist die wahrheit des geglaubten gottes, die eine tautologie ist, in sich geschlossen(e). Mit der struktur der tautologie des gottesnamens ist ausgeschlossen, dass der glaubende mit seinem gott in einer sozialen beziehung stehen könnte. Dieses argument ist falsch, weil in der relation: glaubende<==|==>gott, der gott immer das_andere ist, das die wechselseitige relation: gott<==>glaubende, ausschliesst(f). In raum und zeit, eine gesetzte kausalität vorausgesetzt, ist die behauptung des gläubigen nicht entscheidbar, dass der geglaubte gott als schöpfer der welt der grund seiner welt ist, weil die festlegung des gründenden grundes, absolut gültig, nicht möglich ist. Wer und/oder was der grund ist und was die folge aus dem gesetzten grund sein muss, das ist als autonome entscheidung des individuums als ich in ihm selbst verortet. In der gesetzten relation des individuums als ich ist der als das zweite moment gesetzte gott nicht der grund der setzung, sondern die wirkung. Für das individuum als ich, das subjekt, glaubend das geschöpf seines gottes zu sein, ist der geglaubte gott als schöpfer seiner existenz das objekt, das das subjekt nicht sein kann.
   
    So wie die dinge in der welt stehen, ist für das individuum als ich die gewissheit, was die wahrheit ist und/oder sein soll, auf die welt begrenzt, deren grenzen markiert sind durch seine geburt und dem tod als individuum. Real ist sein wissen von der welt im glauben, der die vorstellung seines gottes als objekt präsent hält, das objekt, das der glaubende als gründenden grund für seine vorstellungen von der welt instrumentalisiert. In dieser funktion ist seine gottesvorstellung der gründende grund, der die ordnung seiner welt gewährleistet. Diese funktion der gottesvorstellungen jeder provinienz sollte nicht geringgeschätzt werden, weil sie in jeder religion, folglich auch in jedem ritus, das fundament der ordnung ist, die der glaubende mit den genossen lebt. Wer also bekennt, dass er an seinen gott glaube, der sagt auch, dass er mit dem genossen in einer ordnung leben will, in der alle, die es betrifft, vereint in ihren gottesvorstellungen, in frieden leben können, an ihren je eigenen gott glaubend(g).
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(a)
im vorbeigehen(=scrollen) war mir der buchtitel aufgefallen(01), wieder einmal. Ich erinnere mich, im umfeld der erbauungs-/erweckungsliteratur die frage als formel schon öfters gelesen zu haben, eine alte formel, die als allgemeiner satz keinen anspruch auf originalität hat.
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(01)   quelle: verlagsprospekt des Herder-Verlags, 23.01.2025.     (a)<==//  
(b)
das problem der metaphysik: das ganze und die teile, wird andernorts en detail erläutert(01). Ich fokussiere das problem auf die tradition der monotheistischen gottesvorstellungen: der EINE gott; gleiches gilt für die polytheistischen gottesvorstellungen.
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(01)
INDEX/register //==>stichworte: metaphysik, ganze/das, ganze/teil, teil.     (b)<==//  
(c)
zum begriff: zirkelargument, andernorts en detail. INDEX/register //==>stichwort: zirkelargument.    (c)<==//   
(d)
Richter,Ulrich: Gott, der geglaubte, ist eine vorstellung des individuums als ich. (037) fdm/24.037/ 01/2024      (d)<==//  
(e)
das problem der tautologie ist präsent in der erzählung vom brennenden dornbusch(Ex.3). Gott gibt Mose seinen namen bekannt: ich bin, der ich bin,(Ex.3.14).     (e)<==//  
(f)
es kann im diskurs die meinung geäussert werden, dass die beziehung des glaubenden zu seinem gott mit der relation: glaubende<==>gott,(01) ausgedrückt werden soll(02). Diese aussage ist in raum und zeit nicht möglich, sie ist also falsch.
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(01)
zum lesen der relationszeichen: lies
wechselseitige relation:  <==> ,          lies: relationiert wechselseitig,
abhängige relation:        <==|==> ,     lies: relationiert abhängig.
(02)
das ist in allen mystischen gottesvorstellungen der fall.     (f)<==//  
(g)
Richter,Ulrich: Essentials des friedens. adm (46)08/25.
Zusatz.
Der blick auf die realität zeigt ein anderes bild. Es sind gerade die wirkmächtigen gottesvorstellungen, heute der islamistische Allah, in der vergangenheit der gott der christlichen missionare, die ordnungen begründet haben oder begründen sollen, in denen das individuum als ich nur ein spielstein der mächtigen ist, die, vermeintlich mächtig, die religionen gekapert haben, um ihren machttrieb zu befriedigen.     (g)<==//    
finis

stand: 25.10.01.
eingestellt: 25.09.01.
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