Das fragment des monats
ausgabe (062)/62//2026/ fdm/26.062/ februar/2026

Der frieden einerseits, andererseits die waffen - ein widerspruch.
Ein neues argument in der pazifismus-debatte.

    In den debatten über krieg und frieden, frieden oder krieg, wird immer wieder mit zwei termini konträr diskutiert, einerseits der terminus: frieden, andererseits der terminus: waffe.

    Ich sage, dass die begriffe: frieden und waffe, zueinander ein widerspruch sind, der, konträr zum gegensatz, in keinem fall mit einer salvatorischen klausel aufgelöst werden kann. Entweder es ist frieden, dann ist die waffe überflüssig, oder, es wird eine waffe geführt, dann ist der frieden real nicht möglich - tertium non datur. Die logik dieser dichotomie ist, dass der begriff: waffe, einerseits das wollen des subjekts voraussetzt, gewalt üben zu wollen, und dass andererseits die gewalt, die, sichtbar gemacht in einer waffe, kein element des begriffs: frieden, sein kann. Diese trennung ist auf der argumentebene der begriffe kategorisch und muss auf der argumentebene der phänomene beachtet werden, wenn der frieden und die gewalt(=waffe) in der gesellschaft als phänomene gehändelt werden müssen. Die auflösung des gegensatzes, die differenz: frieden/gewalt(=waffe), ist im horizont der interessen aller, die es betrifft, einerseits zu analysieren und andererseits in einer synthetisierenden reflexion zu beurteilen, eine erfahrung, die im moment der gelebten gegenwart sowohl ein frieden sein kann als auch der krieg ist, bilder von ereignissen, die im moment der gelebten gegenwart erinnert werden sowohl in den facta der vergangenheit als auch in den projektionen in die zukunft.

    Der faktische widerspruch zwischen den definitionen der begriffe: friede und gewalt(=waffe), ist, so scheint es, auf der argumentebene der begriffe eindeutig; denn die gewalt, das ersetzen eines zustandes durch einen anderen zustand(a), ist die negation des friedens. Der frieden kann nur dann gewollt sein, wenn das individuum als ich und sein genosse die anwendung von gewalt ausschliessen, weil sie, jeder für sich, sich selbst nur dann als das ich begreifen können, das sie sein wollen, wenn sie den je anderen als der_andere anerkennen(b). Dieses anerkennen des genossen als der_andere, der ein ich ist wie das individuum als ich selbst, schliesst kategorisch aus, dass sowohl der genosse als auch das individuum als ich einer waffe bedürftig sein können, gleich_gültig welche form das ding der welt hat, das, missbraucht, als waffe benutzt wird(c). Das aushandeln widerstreitender interessen, präsent als gegensätze bis zum wechselseitigen ausschluss, ist des arguments bedürftig, mit dem der kompromiss über jedes trennende interesse auszumitteln ist. Die vermittlung der im widerstreit stehenden interessen, vom genossen und vom individuum als ich geleistet in den formen des kompromisses, ist die essenz des begriffs: das_humanum,(d) von dem der genosse und das individuum als ich geleitet sein müssen, wenn sie sich selbst als das ich erkennen wollen, das sie sind. In diesem sinn schliessen sich die begriffe: frieden und waffe(=gewalt), als nicht auflösbarer widerspruch aus.

    Das aber ist nur die eine seite des problems, die kehrseite des problems sind die phänomene der gewalt(=waffe) einerseits und andererseits die phänomene des ersehnten friedens. Sowohl die begriffe des friedens als auch die begriffe der waffen(=gewalt), rezipiert als phänomene in den faktischen ereignisse von krieg und frieden, können nur auf der argumentebene der phänomene mit argumenten erfasst werden, mit denen das individuum als ich und sein genosse die realität ihres lebens in diskursen und debatten analysieren und synthetisierend reflektieren. Die phänomene der gewalt, den frieden im blick habend, sind der begrenzende horizont dieser debatten und diesen ereignissen kann sich keiner entziehen. Wenn über den frieden diskutiert wird, dann ist die gewalt immer real, die den gewollten frieden als regenbogen ausweist, der mit jedem schritt hin auf das erreichen des regenbogens zurückweicht. Das ist das argument, warum es ein momentum der klugheit ist, in den phänomenen der gewalt das wollen zum frieden eingeschlossen zu wissen. Das ist die logik des alten römischen spruches, dass der friedenswillige mit dem krieg kalkulieren muss, wenn er im frieden leben will(e).

    Die pazifist in gegenwart und vergangenheit(f) durchschaut nicht, dass die slogans: "nie wieder krieg" und "nieder mit den waffen", zweideutig sind. Es ist die doppeldeutigkeit dieser slogans, die das argument für die these sind, dass der pazifist mit diesen slogans sein ziel, die abschaffung des kriegs, nicht erreichen kann; denn mit diesen slogans, die realität verschleiernd, perpetuiert der pazifist das, was er als pazifist behauptet zu bekämpfen, nämlich das fortdauern der gewalt. Sein irrtum ist, dass mit der beseitung einer permanent angedrohten gewaltanwendung(=waffe) die "gewalt an sich", wie der jargon es nahelegt, in raum und zeit auf ewig beseitigt sei und folglich, so sein kalkül, der "friede an sich" notwendig geschaffen ist. Die anhänger des traditionalen pazifismus ignorieren, dass gewalt und frieden wie die seiten einer medaille immer wechselseitig wirken. Er folgt der narkotisierenden illusion, die meinung propagierend, dass mit der beseitigung der gewalt, das ist die eine seite der medaille, notwendig die andere seite als das reich des friedens erscheinen werde. In dieser illusion ist implizit die logik des bellizisten kopiert, der meint, dass mit der permanent angedrohten gewaltanwendung(=waffe) eine situation des ausgleichenden schreckens geschaffen sei, mit der die sehnsucht nach frieden kompensiert sein soll. Diese logik der dualität von phänomenen sollte nicht mit dem falschen bild einer dialektik von krieg und frieden verwechselt werden(g); denn in raum und zeit stehen die dinge der welt als das_andere gegeneinander/miteinander, die das individuum als ich und sein genosse in ihren relationen zu den dingen der welt als gegensätze erfahren, gegensätze, die sie in den formen ihrer individuellen interessen miteinander/gegeneinander austarieren müssen. Mit der auflösung der realen gegensätze, präsent in ihren konkreten interessen, kreisen der bellizist und der pazifist um den imaginären nullpunkt: gleichheit der gegensätze von frieden und krieg, dem nullpunkt nämlich, den der genosse und das individuums als ich immer wieder transitorisch kreuzen müssen, ohne in diesem nullpunkt der gleichheit von krieg und frieden in dauer verharren zu können; denn das verharren im erreichten nullpunkt ist ihr realer tod, der rückfall in die natur.

    Das entscheidende momentum des friedens ist der wille, frieden halten zu wollen, und dieser wille ist keiner waffe bedürftig(h).
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(a)
Richter,Ulrich: Die gewalt und der begriff des politischen. Argument des monats, signatur: (01)07/01. Weitere nachweise zu meiner definition der gewalt: //==> INDEX/register //==>stichwort: gewalt.      (a)<==//  
(b)
zum begriff: prinzip der anerkennung des anderen als der_andere, andernorts en detail. //==> INDEX/register //==>stichwort: prinzip:_adaad_a.
Zusatz.
Zum lesen der termini mit unterstrich: der unterstrich muss gelesen werden, lies: der andere mit unterstrich. Die anderen fälle analog.       (b)<==//   
(c)
man spricht davon, dass der bürger ein recht auf eine waffe habe(01). Die begründung dieses rechts ist falsch, weil der besitz einer waffe als eigentum das fundament einer friedfertigen gesellschaft demoliert. Die dokumente der historia weisen es aus, dass in der langen geschichte des homo sapiens noch nie mit einer waffe in der hand der friede geschaffen worden ist, im besten falle war mit waffen das schweigen der waffen erzwungen worden, was in einer welt der gewalt schon sehr viel ist. Der stillstand der waffen ist die vorstufe zum frieden, der zwischen allen, die es betrifft, am verhandlungstisch mit argumenten ausgehandelt werden muss(02). In dieser perspektive ist der slogan: friede schaffen ohne waffen, richtig, aber, diese meinung kann nur eine der möglichen perspektiven sein und, das verschweigen und/oder das ignorieren der anderen perspektiven entwertet die eigne perspektive auf den frieden als verweigerung der realität.
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(01)
in der verfassung der USA (1.amendment) ist das eigentum an einer waffe als verfassungsrecht festgeschrieben. Die historischen gründe, die damals zur fixierung dieses rechts der bürger in der verfassung geführt hatten, sind heute obsolet geworden, weil der schutz des bürgers vor der gewalt, die geübt wird von den bürgern, nur durch das staatliche gewaltmonopol gewährleistet werden kann, dann, wenn die staatlichen institutionen das gesetz beachten, das durch den willen des volkes legitimiert ist. Zweifel sind geboten, ob das in den USA heute(2025) noch der fall ist.
(02)   das ist Kant's idee eines "ewigen Friedens".        (c)<==//  
(d)
zum begriff: das_humanum, andernorts mehr en detail. //==> INDEX/register //==> stichwort: das_humanum.       (d)<==//  
(e)
"Si vis pacem, para bellum". Ich übersetze, das heisst, Ich deute den satz so: Wenn du den frieden willst, dann bereite dich auf den krieg vor. Der satz hat eine lange geschichte, dazu mehr bei: Hubertus Kudla: Lexikon der lateinischen Zitate. Nr.630. 3.Aufl. München: 2007.       (e)<==//  
(f)
zum allgemeinen problem des pazifismus verweise Ich global auf den eintrag in Wikipedia: Pazifismus, download: 17.04.2023.       (f)<==//  
(g)
es liegt nahe, prima vista, mit einer dialektik von krieg und frieden zu argumentieren, aber das ist falsch, secunda vista. Es ist logisch ausgeschlossen, dass der friede und der krieg als das_andere zueinander in einem dialektischen verhältnis stehen können. Allein dem genossen und dem individuum als ich in ihrer sozialen beziehung ist ein dialektisches verhältnis möglich, fixiert in der relation: individuum_als_ich<==>genosse,(01). Das ist mit der methode: der trialektischen modus, demonstrierbar. Sowohl der genosse: B, als auch das individuum als ich: A, haben ihre relationen zu den momenten: krieg und frieden gesetzt:
graphik: 001                                                  graphik: 002

                                                        

Das problem ist die relation: frieden<==|==>krieg,(02) wenn diese relation der gegenstand in der sozialen beziehung(=(A<==>B)(03)) ist:
graphik: 003

              
 
Diese dialektik ist real, wenn das individuum als ich: A, und sein genosse: B, über krieg und frieden miteinander argumentieren, streitig oder auch nicht. Das ist der diskurs, der keiner waffe bedarf, weil, wenn der eine den je anderen mit einer waffe zwingen wollte, die eigne meinung zu akzeptieren, der zustand des friedens zerstört ist und eine realität geschaffen wurde, die mit dem terminus: krieg, zu bezeichnen ist.
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(01) lies: das individuum als ich grooss A relationiert wechselseitig den genossen grooss B.
(02) lies: der frieden relationiert abhängig den krieg.
(03) lies: grooss A relationiert wechselseitig grooss B.       (g)<==//   
(h)
der gewollte frieden benötigt keine waffe - ein utopie? - Nein! das ist die conditio sine qua non des friedens, aber, weil im moment der gelebten gegenwart der frieden ohne waffe als phänomen nur annähernd der zustand eines lebens ohne waffe sein kann, ist die idee eines friedens ohne waffe die utopie, die notwendig als projektion in die zukunft imaginiert werden muss, damit zwischen dem genossen und dem individuum als ich im moment der gelebten gegenwart ein zustand real ist, der mit guten gründen als frieden bezeichnet werden kann.       (h)<==//   
finis

eingestellt: 26.02.01.
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