Der frieden einerseits, andererseits die waffen - ein widerspruch.
Ein neues argument in der pazifismus-debatte.
In den debatten über krieg und frieden, frieden oder
krieg, wird immer wieder mit zwei termini konträr diskutiert,
einerseits der terminus: frieden, andererseits der terminus: waffe.
Ich sage, dass die begriffe: frieden und waffe,
zueinander ein widerspruch sind, der, konträr zum gegensatz, in keinem
fall mit einer salvatorischen klausel aufgelöst werden kann. Entweder
es ist frieden, dann ist die waffe überflüssig, oder, es wird eine
waffe geführt, dann ist der frieden real nicht möglich - tertium non
datur. Die logik dieser dichotomie ist, dass der begriff: waffe,
einerseits das wollen des subjekts voraussetzt, gewalt üben zu wollen,
und dass andererseits die gewalt, die, sichtbar gemacht in einer waffe,
kein element des begriffs: frieden, sein kann. Diese trennung ist auf
der argumentebene der begriffe kategorisch und muss auf der
argumentebene der phänomene beachtet werden, wenn der frieden und die
gewalt(=waffe) in der gesellschaft als phänomene gehändelt werden
müssen. Die auflösung des gegensatzes, die differenz:
frieden/gewalt(=waffe), ist im horizont der interessen aller, die es
betrifft, einerseits zu analysieren und andererseits in einer
synthetisierenden reflexion zu beurteilen, eine erfahrung, die im
moment der gelebten gegenwart sowohl ein frieden sein kann als auch der
krieg ist, bilder von ereignissen, die im moment der gelebten gegenwart
erinnert werden sowohl in den facta der vergangenheit als auch in den
projektionen in die zukunft.
Der faktische widerspruch zwischen den definitionen
der begriffe: friede und gewalt(=waffe), ist, so scheint es, auf der
argumentebene der begriffe eindeutig; denn die gewalt, das ersetzen
eines zustandes durch einen anderen zustand
(a),
ist die negation des friedens. Der frieden kann nur dann gewollt sein,
wenn das individuum als ich und sein genosse die anwendung von gewalt
ausschliessen, weil sie, jeder für sich, sich selbst nur dann als das
ich begreifen können, das sie sein wollen, wenn sie den je anderen als
der_andere anerkennen
(b).
Dieses anerkennen des genossen als der_andere, der ein ich ist wie das
individuum als ich selbst, schliesst kategorisch aus, dass sowohl der
genosse als auch das individuum als ich einer waffe bedürftig sein
können, gleich_gültig welche form das ding der welt hat, das,
missbraucht, als waffe benutzt wird
(c).
Das aushandeln widerstreitender interessen, präsent als gegensätze bis
zum wechselseitigen ausschluss, ist des arguments bedürftig, mit dem
der kompromiss über jedes trennende interesse auszumitteln ist. Die
vermittlung der im widerstreit stehenden interessen, vom genossen und
vom individuum als ich geleistet in den formen des kompromisses, ist
die essenz des begriffs: das_humanum,
(d)
von dem der genosse und das individuum als ich geleitet sein müssen,
wenn sie sich selbst als das ich erkennen wollen, das sie sind. In
diesem sinn schliessen sich die begriffe: frieden und waffe(=gewalt),
als nicht auflösbarer widerspruch aus.
Das aber ist nur die eine seite des problems, die
kehrseite des problems sind die phänomene der gewalt(=waffe) einerseits
und andererseits die phänomene des ersehnten friedens. Sowohl die
begriffe des friedens als auch die begriffe der waffen(=gewalt),
rezipiert als phänomene in den faktischen ereignisse von krieg und
frieden, können nur auf der argumentebene der phänomene mit argumenten
erfasst werden, mit denen das individuum als ich und sein genosse die
realität ihres lebens in diskursen und debatten analysieren und
synthetisierend reflektieren. Die phänomene der gewalt, den frieden im
blick habend, sind der begrenzende horizont dieser debatten und diesen
ereignissen kann sich keiner entziehen. Wenn über den frieden
diskutiert wird, dann ist die gewalt immer real, die den gewollten
frieden als regenbogen ausweist, der mit jedem schritt hin auf das
erreichen des regenbogens zurückweicht. Das ist das argument, warum es
ein momentum der klugheit ist, in den phänomenen der gewalt das wollen
zum frieden eingeschlossen zu wissen. Das ist die logik des alten
römischen spruches, dass der friedenswillige mit dem krieg kalkulieren
muss, wenn er im frieden leben will
(e).
Die pazifist in gegenwart und vergangenheit
(f)
durchschaut nicht, dass die slogans: "nie wieder krieg" und "nieder mit
den waffen", zweideutig sind. Es ist die doppeldeutigkeit dieser
slogans, die das argument für die these sind, dass der pazifist mit
diesen slogans sein ziel, die abschaffung des kriegs, nicht erreichen
kann; denn mit diesen slogans, die realität verschleiernd, perpetuiert
der pazifist das, was er als pazifist behauptet zu bekämpfen, nämlich
das fortdauern der gewalt. Sein irrtum ist, dass mit der beseitung
einer permanent angedrohten gewaltanwendung(=waffe) die "gewalt an
sich", wie der jargon es nahelegt, in raum und zeit auf ewig beseitigt
sei und folglich, so sein kalkül, der "friede an sich" notwendig
geschaffen ist. Die anhänger des traditionalen pazifismus ignorieren,
dass gewalt und frieden wie die seiten einer medaille immer
wechselseitig wirken. Er folgt der narkotisierenden illusion, die
meinung propagierend, dass mit der beseitigung der gewalt, das ist die
eine seite der medaille, notwendig die andere seite als das reich des
friedens erscheinen werde. In dieser illusion ist implizit die logik
des bellizisten kopiert, der meint, dass mit der permanent angedrohten
gewaltanwendung(=waffe) eine situation des ausgleichenden schreckens
geschaffen sei, mit der die sehnsucht nach frieden kompensiert sein
soll. Diese logik der dualität von phänomenen sollte nicht mit dem
falschen bild einer dialektik von krieg und frieden verwechselt werden
(g);
denn in raum und zeit stehen die dinge der welt als das_andere
gegeneinander/miteinander, die das individuum als ich und sein genosse
in ihren relationen zu den dingen der welt als gegensätze erfahren,
gegensätze, die sie in den formen ihrer individuellen interessen
miteinander/gegeneinander austarieren müssen. Mit der auflösung der
realen gegensätze, präsent in ihren konkreten interessen, kreisen der
bellizist und der pazifist um den imaginären nullpunkt: gleichheit der
gegensätze von frieden und krieg, dem nullpunkt nämlich, den der
genosse und das individuums als ich immer wieder transitorisch kreuzen
müssen, ohne in diesem nullpunkt der gleichheit von krieg und frieden
in dauer verharren zu können; denn das verharren im erreichten
nullpunkt ist ihr realer tod, der rückfall in die natur.
Das entscheidende momentum des friedens ist der
wille, frieden halten zu wollen, und dieser wille ist keiner waffe
bedürftig
(h).
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(a)
Richter,Ulrich: Die gewalt und der
begriff des politischen. Argument des monats, signatur: (01)07/01.
Weitere nachweise zu meiner definition der gewalt: //==>
INDEX/register //==>stichwort: gewalt.
(a)<==//
(b)
zum begriff: prinzip der anerkennung des anderen als der_andere, andernorts en detail. //==>
INDEX/register //==>stichwort: prinzip:_adaad_a.
Zusatz.
Zum lesen der termini mit unterstrich: der unterstrich muss gelesen
werden, lies: der andere mit unterstrich. Die anderen fälle
analog.
(b)<==//
(c)
man spricht davon, dass der bürger ein
recht auf eine waffe habe(01). Die begründung dieses rechts ist falsch,
weil der besitz einer waffe als eigentum das fundament einer
friedfertigen gesellschaft demoliert. Die dokumente der historia weisen
es aus, dass in der langen geschichte des homo sapiens noch nie mit
einer waffe in der hand der friede geschaffen worden ist, im besten
falle war mit waffen das schweigen der waffen erzwungen worden, was in
einer welt der gewalt schon sehr viel ist. Der stillstand der waffen
ist die vorstufe zum frieden, der zwischen allen, die es betrifft, am
verhandlungstisch mit argumenten ausgehandelt werden muss(02). In
dieser perspektive ist der slogan: friede schaffen ohne waffen,
richtig, aber, diese meinung kann nur eine der möglichen perspektiven
sein und, das verschweigen und/oder das ignorieren der anderen
perspektiven entwertet die eigne perspektive auf den frieden als
verweigerung der realität.
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(01)
in der verfassung der USA (1.amendment)
ist das eigentum an einer waffe als verfassungsrecht festgeschrieben.
Die historischen gründe, die damals zur fixierung dieses rechts der
bürger in der verfassung geführt hatten, sind heute obsolet geworden,
weil der schutz des bürgers vor der gewalt, die geübt wird von den
bürgern, nur durch das staatliche gewaltmonopol gewährleistet werden
kann, dann, wenn die staatlichen institutionen das gesetz beachten, das
durch den willen des volkes legitimiert ist. Zweifel sind geboten, ob
das in den USA heute(2025) noch der fall ist.
(02) das ist Kant's idee eines "ewigen Friedens".
(c)<==//
(d)
zum begriff: das_humanum, andernorts mehr en detail. //==>
INDEX/register //==> stichwort: das_humanum.
(d)<==//
(e)
"Si vis pacem, para bellum". Ich
übersetze, das heisst, Ich deute den satz so: Wenn du den frieden
willst, dann bereite dich auf den krieg vor. Der satz hat eine lange
geschichte, dazu mehr bei: Hubertus Kudla: Lexikon der lateinischen
Zitate. Nr.630. 3.Aufl. München: 2007.
(e)<==//
(f)
zum allgemeinen problem des pazifismus
verweise Ich global auf den eintrag in Wikipedia: Pazifismus, download:
17.04.2023.
(f)<==//
(g)
es liegt nahe, prima vista, mit einer
dialektik von krieg und frieden zu argumentieren, aber das ist falsch,
secunda vista. Es ist logisch ausgeschlossen, dass der friede und der
krieg als das_andere zueinander in einem dialektischen verhältnis
stehen können. Allein dem genossen und dem individuum als ich in ihrer
sozialen beziehung ist ein dialektisches verhältnis möglich, fixiert in
der relation: individuum_als_ich<==>genosse,(01). Das ist mit der
methode: der trialektischen modus, demonstrierbar. Sowohl der genosse:
B, als auch das individuum als ich: A, haben ihre relationen zu den
momenten: krieg und frieden gesetzt:
graphik:
001
graphik: 002
Das problem ist die relation: frieden<==|==>krieg,(02) wenn diese
relation der gegenstand in der sozialen beziehung(=(A<==>B)(03))
ist:
graphik: 003
Diese dialektik ist real, wenn das individuum als ich: A, und sein
genosse: B, über krieg und frieden miteinander argumentieren, streitig
oder auch nicht. Das ist der diskurs, der keiner waffe bedarf, weil,
wenn der eine den je anderen mit einer waffe zwingen wollte, die eigne
meinung zu akzeptieren, der zustand des friedens zerstört ist und eine
realität geschaffen wurde, die mit dem terminus: krieg, zu bezeichnen
ist.
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(01) lies: das individuum als ich grooss A relationiert wechselseitig den genossen grooss B.
(02) lies: der frieden relationiert abhängig den krieg.
(03) lies: grooss A relationiert wechselseitig grooss B.
(g)<==// (h)
der gewollte frieden benötigt keine
waffe - ein utopie? - Nein! das ist die conditio sine qua non des
friedens, aber, weil im moment der gelebten gegenwart der frieden ohne
waffe als phänomen nur annähernd der zustand eines lebens ohne waffe
sein kann, ist die idee eines friedens ohne waffe die utopie, die
notwendig als projektion in die zukunft imaginiert werden muss, damit
zwischen dem genossen und dem individuum als ich im moment der gelebten
gegenwart ein zustand real ist, der mit guten gründen als frieden
bezeichnet werden kann.
(h)<==//
finis