TEXTSAMMLUNG
Das fragment des monats
ausgabe: (068)/68//2026/ fdm/26.068/ august/2026


Der verwender der daten ist beweispflichtig(III).
Die nutzer des internets im spannungsfeld von technik, kommunikation und recht.

    Das problem der beweispflicht im zeitalter des internets habe Ich in zwei früheren texten schon einmal erörtert(a). Diese texte sind weiter aktuell, aber, die situation von damals ist heute eine andere. Die KI-technologie hat ein problem verschärft, dem keiner sich entziehen kann, egal, ob er im internet surft oder nicht.

    Das problem: beweispflicht im internet, ist verortet in der frage, wie die daten des bürgers in den zeiten der KI-technologie(b) vor dem missbrauch dieser daten durch den mitbürger geschützt werden können, der das internet, eingeschlossen die anderen digitalen techniken, als mittel nutzt, um sein interesse gegen das interesse des je anderen durchzusetzen. Der bürger des staats(c), einerseits legitim und rechtstreu, andererseits kriminell und illegitim, hat das recht, sein partikulares interesse gegen das partikulare interesse des je anderen durchzusetzen mit der notwendigen einschränkung, dass er dies im horizont des geltenden rechts leistet. Das problem: beweislast im internet, ist kein technisches problem, sondern ein gesellschaftliches.

    D'accord, das traditionale recht, dass der kläger seinen rechtsanspruch zu beweisen habe, muss auch im internet realisiert werden; denn im traditionalen prozessrecht ist geregelt, dass der kläger, der die sachherrschaft hat über die frage, was wahr sein soll und was falsch ist, auch weiss, ob das, was er in seinem klageanspruch fordert, falsch ist oder richtig. Diese alte regel ist weiter gültig, auch im zeitalter der digitalen verwendung von daten unter den bedingungen des internets, aber, die anwender der neuen techniken haben situationen geschaffen, in denen die alten beweisregeln genau das gegenteil bewirken und das austarierte verhältnis von kläger und beklagten, nutzer und anbieter, zerstört haben. Die ausschliessliche sachherrschaft haben die anbieter der techniken, die mit ihren angeboten den nutzer zwingen, das zu konsumieren, was sie in ihrem geschäftsmodell als ihren vorteil verbuchen. Der nutzer des internets, angewiesen auf das zur verfügung gestellte angebot, steht vor der falschen alternative, das angebot entweder zu akzeptieren oder aus dem spiel auszusteigen. Das aussteigen aus diesem falschen spiel aber ist dem nutzer der neuen techniken in der modernen gesellschaft nicht mehr verstattet, weil das öffentliche und das private leben ohne diese techniken nicht mehr funktioniert. Der anbieter der neuen techniken hat zwar die unbeschränkte gewalt über die neuen techniken(d), aber die neuen techniken laufen leer, wenn der anbieter der technik nicht auch daten verwendet, die er mit diesen techniken in der welt streut. Das ist der anknüpfungspunkt für das gebot der beweislastumkehr. Der anbieter der digitalen techniken hat es allein in seiner hand(e), welche daten er dem nutzer seines angebots zur verfügung stellen will und dieses angebot muss, wenn es bestand haben soll, mit dem geltenden recht kompatibel sein. Der nutzer des angebots hat zwar die wahl, das angebot zu akzeptieren oder zu ignorieren, aber in jedem fall ist er damit konfrontiert, dass der anbieter daten verwendet, die ihn unmittelbar betreffen. Gegen diesen gebrauch seiner daten muss es dem nutzer des internets eingeräumt sein, im fall einer falschen aussage(=fake news), den anbieter im netz in die schranken zu weisen. Nicht der nutzer eines angebots, das eine falsche aussage zum gegenstand haben kann, ist verpflichtet nachweisen, dass sein recht beschädigt ist, sondern der anbieter der nachricht, richtig oder falsch, hat die pflicht nachweisen, dass seine aussage mit dem recht übereinstimmt.

    Die beweislastumkehr ist notwendig, wenn die gesellschaft als eine ganze bestand haben soll(f). Die änderung der beweislast ist die frage nach der macht, die erforderlich ist, wenn der nutzer als subjekt sein recht durchsetzen will, gegen den anderen in dessen vermeintlichen recht. Die alte frage, wie die macht verteilt ist, will Ich hier beiseite stellen, aber, diese frage wird immer präsent sein.
---------
(a)
Richter,Ulrich: argument des monats. Der verwender fremder daten ist beweispflichtig. Die umkehr der beweislast im zeitalter der informationstechniken. sign.: adm/ (30)04-06/2014.
Richter,Ulrich: Fragment des monats. Der verwender von daten ist beweispflichtig(II). signatur: fdm/21.011 /november/2021.        (a)<==// 
(b)
der terminus: KI(=künstliche intelligenz), englisch: AI(=artificial intelligence), hat in der zurückliegende dekade hochkonjunktur und wenn diesem reden gefolgt wird, dann wird in absehbarer zeit weltumstürzendes sich ereignen(01). Den hochfliegenden erwartungen der börsianer(02) wird bald ernüchterung folgen, weil die bürger diesen umwälzungen in der grossen zahl nicht folgen werden können. Die KI ist ein werkzeug, das von einem subjekt gebraucht wird(03), und das subjekt wird immer ein vertreter der gattung: homo sapiens, sein. Die KI und ihre weiterentwicklungen werden noch wunderwerke der technik zeitigen, aber ihren status als werkzeuge des homo sapiens werden sie nicht verlassen können.
--------
(01)
die utopie in der form einer prognose hat, das ist erfahrung, noch niemals ihre prophezeiungen wahr gemacht, und das, was vielversprechend gewesen war, das endete in einer sackgasse, bestenfalls überdauerte das versagen in der zeit in einem vergessenen dokument der historia.
(02)
die kurse an den börsen spiegeln die erwartungen der spekulanten, nicht aber den realen wert der KI-fabriken.
(03)
Richter,Ulrich: Das individuum als ich und seine werkzeuge. Die logik des kunstwerks und das werkzeug: KI.(2024/2025). 043:werkzeug_KI.        (b)<==// 
(c)
in den debatten um die KI sollte nicht übersehen werden, dass es die menschen der welt sind, die sich als personen des rechts verstehen, konfrontiert mit den phänomenen der KI. Untereinander können die menschen ihr recht mit dem genossen nur in geordneten sozialen strukturen artikulieren und behaupten, so auch die verwendung des werkzeugs: KI.        (c)<==// 
(d)
das zauberwort der KI ist ein algorithmus, mit dem alle rechenprozesse in der digitalen welt gesteuert werden. Das ist der schlüssel, der den prozess aufschliesst, mit dem die daten verteilt werden. Es sollte beachtet werden, dass der algorithmus eine formel ist, die, um wirken zu können, eines subjekts bedürftig ist, der einerseits die formel erfunden hat und der andererseits die formel mit den daten füllt, die streitig gefallen sind. Das, was geschieht, ist von dem abhängig, der den algorithmus aktiviert. Diese person ist das subjekt, das die verantwortung trägt für das, was folgt. Wer verantwortlich ist für das, was sich ereignet hat, der muss auch beweisen, dass er im recht gehandelt hat.        (d)<==// 
(e)
nicht anders der anbieter von daten, der gefangen ist in einem netz von interessen, und, selbst der mächtigste unter den mächtigen ist eingebunden in ein netz von abhängigkeiten, die das eine zulassen, das andere aber ausschliessen. Diese abhängigkeiten können nicht als grund akzeptiert werden, dass der anbieter, der die daten anderer verwendet, sich seiner pflicht entziehen kann, zu erklären und darzulegen, dass er rechtlich korrekt gehandelt habe. Den streit muss ein gericht klären.        (e)<==// 
(f)
die KI hat das potential, die strukturen der gesellschaften negativ
zu verändern. Der mechanismus ist, dass die beherrschung der KI eine form von macht ist, die sich akkummuliert und so die differenz: macht/ohnmacht, weiter vertiefen wird. Eine gespaltene gesellschaft aber hat auf dauer keinen bestand und das, was ist, das wird für die meisten die hölle sein und für wenige ein paradies, das vergiftet ist.        (f)<==//    
finis

stand: 26.09.01.
eingestellt: 26.08.01.

zurück/übersicht  //      
zurück/textsammlung/überblick   //